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Rohstoff-ETCs: Preisschwäche wegen Wachstumsunsicherheiten


23.08.2018 - 14:23:24 Uhr
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Die Rohstoffpreisschwäche setzt sich fort, so die Deutsche Börse AG.

"Verhaltenere Wachstumsperspektiven und eine weniger lockere Geldpolitik dämpfen die Stimmung der Finanzinvestoren an den Rohstoffmärkten deutlich", erkläre Heinrich Peters von der Helaba. Gleichzeitig seien die Finanzierungsbedingungen vor allem in den per se rohstoffhungrigeren Schwellenländern ungünstiger geworden.

Der Bloomberg Commodity Index, der Anfang Juni noch bei über 90 Punkten notiert habe, liege am Mittwochmorgen bei 83,44 Punkten - das entspreche in etwa dem Niveau vor einem Monat. Allerdings liege das vor allem am festen Ölpreis, Industrie- und Edelmetallpreise seien abermals zurückgegangen.

Der Kupferpreis, der am 7. Juni noch bei 7.330 US-Dollar und vor einem Monat bei 6.167 US-Dollar gelegen habe, sei vergangene Woche auf 5.840 US-Dollar gefallen, jetzt seien es 6.025 US-Dollar. Für andere Industriemetalle wie Nickel und Zinn sehe es ähnlich aus. Kupfer-ETCs (ISIN DE000A0KRJU0/ WKN A0KRJU) würden sich weiter auf den Abgabelisten finden, wie Nitesh Shah von Wisdom Tree feststelle, nur bei Nickel-ETCs (ISIN DE000A0KRJ44/ WKN A0KRJ4) habe der Mittelzustrom die achte Woche in Folge angehalten.

Nitesh Shah von WisdomTree erwarte allerdings eine Erholung der Industriemetallpreise, falls die Situation in der Türkei unter Kontrolle bleibe. "Darüber hinaus glauben wir, dass die Metallpreise letztlich von Handelskriegen profitieren, denn der Einfluss von Störungen in den Lieferketten dürfte gegenüber dem Effekt des Nachfragerückgangs überwiegen."

Auch die Commerzbank halte den Preisrückgang für übertrieben. "So kostet Zink als mit Abstand größter Verlierer unter den Industriemetallen in diesem Jahr mittlerweile 35 Prozent weniger als im Jahreshoch", erläutere Rohstoffanalystin Barbara Lambrecht. Die neuen Zahlen der International Lead and Zinc Study Group (ILZSG) hätten einen gerade mal ausgeglichenen Markt gezeigt, für das Gesamtjahr 2018 erwarte die ILZSG bislang sogar ein Angebotsdefizit. "Zudem sind die an der Londoner Metallbörse LME registrierten Zinkvorräte mit rund 250.000 Tonnen eher niedrig." Auch der Bleipreis sei zu billig, die Nachfrage übertreffe bereits das Angebot. "Vor diesem Hintergrund rechnen wir mit einer deutlichen Erholung der Preise."


Der Goldpreis sei schon seit einigen Monaten im Abwärtstrend und zuletzt auf den tiefsten Stand seit über anderthalb Jahren gefallen. Am Mittwochmorgen koste die Feinunze 1.193 US-Dollar nach 1.252 US-Dollar vor einem Monat und über 1.350 US-Dollar im April.

ETC-Anleger hätten angefangen, die niedrigen Preise für einen Einstieg zu nutzen, allen voran in Xetra-GOld: "Wir haben in den vergangenen Wochen überwiegend Käufe von Gold-ETCs (ISIN DE000A0S9GB0/ WKN A0S9GB, ISIN DE000A0N62G0/ WKN A0N62G, ISIN DE000A1MECS1/ WKN A1MECS) gesehen", berichte etwa Frank Mohr von der Commerzbank. Auch WisdomTree melde Zuflüsse in Gold-ETCs. "Die zunächst nur schwache Reaktion von Gold auf die Situation in der Türkei ist vermutlich nicht überzubewerten", meine Shah. Das Metall reagiere möglicherweise mit Verzögerung auf die Wirtschaftskrise in der Türkei. "Unserer Einschätzung nach dürfte Gold in der derzeitigen turbulenten Phase zu einem begehrten Vermögenswert für türkische Haushalte und Anleger avancieren." Hinzu komme, dass die politische Prämie bei Gold steigen könnte, falls die türkische Regierung mit der Kontrolle von Devisen- oder Goldpreisbewegungen drohen sollte.

Auch die Helaba rechne mit wieder steigenden Notierungen: "Die Abstinenz gegenüber Gold im Zuge der US-Dollar-Stärke müsste inzwischen den Höhepunkt erreicht haben", meine Peters. Selbst die Finanzinvestoren dürften sich auch unter technischen Aspekten wieder stärker für Gold interessieren, zumal die geo- und handelspolitischen Risiken trotz der jüngsten Annäherung zwischen den USA und Europa mit Blick auf China wahrscheinlich weiter ernst zu nehmen seien. "Spätestens nach einem noch möglichen Test von 1.180 US-Dollar dürfte sich erheblich Luft nach oben eröffnen."

Silber notiere sogar auf dem tiefsten Stand seit Anfang 2016. Aktuell koste die Unze nur noch 14,75 US-Dollar nach 15,54 US-Dollar vor einem Monat. Auch Platin und Palladium, ebenfalls wichtig für die Industrie, würden schwächeln, Platin bewege sich weiter auf dem Niveau des Zehnjahrestiefs und koste aktuell 792 US-Dollar. Silber- und Platin-ETCs (ISIN DE000A0N62F2/ WKN A0N62F, ISIN DE000A0N62D7/ WKN A0N62D) hätten WisdomTree zufolge im Zuge der Preiseinbrüche starke Abflüsse verzeichnet.

Nur der Ölpreis halte sich noch relativ stabil: Ein Barrel Brent koste aktuell 73,11 US-Dollar. Anfang 2016 sei der Preis unter 30 US-Dollar gefallen, im Mai dieses Jahres aber kurz über 80 US-Dollar geklettert. "Das bis vor nicht allzu langer Zeit noch bestehende Überangebot scheint kein Thema mehr am Ölmarkt zu sein", erkläre Dora Borbély von der DekaBank und verweise auf die erfolgreiche Drosselung der Ölproduktion durch die OPEC-Mitglieder und einige Nicht-OPEC-Länder seit Januar 2017.

Zurzeit könne die Zunahme der weltweiten Ölnachfrage kaum mehr vollständig durch die Mehrproduktion der USA aufgefangen werden, erläutere Borbély. "Sollte im Verlauf des Jahres 2018 infolge des Ausstiegs der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran deutlich weniger iranisches Rohöl auf den Markt kommen, müssten andere OPEC-Länder in die Bresche springen." Mittelfristig werde die OPEC- und US-Produktion aber infolge der höheren Ölpreise deutlich steigen. "Der Rohölpreis dürfte bis Ende 2019 über 60 US-Dollar bleiben."

Kunden der Commerzbank hätten sich überwiegend von Öl-ETCs getrennt, wie Mohr feststelle. Laut WisdomTree habe es zuletzt wenig Bewegung in Öl-ETCs (ISIN DE000A0KRKN3/ WKN A0KRKN, ISIN DE000A1N49P6/ WKN A1N49P) gegeben, seit Jahresanfang seien allerdings hohe Summen aus den Ölprodukten abgeflossen. (23.08.2018/fc/a/e)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:







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