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Rohstoff-ETCs: Ölpreisrückgang erwartet


07.02.2018 - 15:14:34 Uhr
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Der kräftige Preisanstieg vieler Rohstoffe in der zweiten Jahreshälfte 2017 hat sich in den ersten Wochen des neuen Jahres fortgesetzt, zuletzt gab es aber einen kleinen Dämpfer, so die Deutsche Börse AG.

Den Rücksetzer beim Ölpreis würden Analysten mit der in den vergangenen Tagen miserablen Stimmung an den Aktienmärkten erklären. Der Brent-Preis sei bis vor zwei Wochen auf in der Spitze 71,20 US-Dollar je Barrel gestiegen, aktuell seien es 67 US-Dollar. Der Preis sei allerdings immer noch hoch, so hoch wie zuletzt im Mai 2015. Gegenüber dem Tief vom Januar 2016 bei 29 US-Dollar habe sich die Notierung mehr als verdoppelt.

"Gestützt wurde der Preis zuletzt durch die hohen Produktionsausfälle in Venezuela", erkläre Barbara Lambrecht von der Commerzbank. Schließlich werde dadurch das OPEC-Angebot derzeit um fast 40 Prozent mehr reduziert als im Kürzungsabkommen vereinbart. Doch selbst bei einer solch geringen venezolanischen Produktion sei das Angebot nicht knapp. "Denn aus den USA fließt immer mehr Öl an den Markt." Vor diesem Hintergrund halte Lambrecht das aktuell hohe Preisniveau für fundamental nicht gerechtfertigt. "Allerdings dürften neben den hohen Ausfällen in Venezuela auch der schwache US-Dollar und die Konjunktureuphorie eine schnelle Preiskorrektur vorerst verhindern, der Ölpreis also nur allmählich nachgeben." Für das Jahresende erwarte die Bank einen Brent-Preis von 60 US-Dollar.

"OPEC und Russland sind wohl bereit, die Produktionsbeschränkungen auch über Jahresultimo hinaus aufrecht zu erhalten", kommentiere Heinrich Peters von der Helaba. Die Bank gehe kurzfristig von einer Spanne für Brent von 60 bis 70 US-Dollar aus und rechne weiterhin mit einer Preisberuhigung in Richtung 60 US-Dollar im Jahresverlauf. "Große Unbekannte bleiben das relativ preiselastische US-Angebot und die China-Nachfrage."

Auch Anleger würden offenbar wieder niedrigere Preise erwarten. "Bei Rohöl-ETCs wie dem ETFS Brent Crude (ISIN DE000A1N49P6/ WKN A1N49P) kam es in der 24. Woche in Folge zu Abflüssen", berichte Jan-Hendrik Hein von ETF Securities. An der Börse Frankfurt seien die Umsätze in den vergangenen vier Wochen besonders hoch im ETFS WTI Crude Oil (ISIN DE000A0KRJX4/ WKN A0KRJX), ETFS Brent 1mth (ISIN DE000A0KRKM5/ WKN A0KRKM) und db Brent Crude Oil Booster Euro Hedged (ISIN DE000A1AQGX1/ WKN A1AQGX) gewesen.


Der Goldpreis halte sich zwar deutlich oberhalb der 1.300 US-Dollar-Marke, sei mit aktuell 1.329 gegenüber 1.358 US-Dollar je Feinunze vor zwei Wochen aber wieder etwas gesunken. Ein Ende habe der Höhenflug des Palladiumpreises gefunden, der Mitte Januar 1.129 US-Dollar erreicht habe, jetzt seien 1.008 US-Dollar.

Nach Ansicht von Peters sei Gold als Absicherungsinstrument zunehmend gefragt. "Nachdem Gold in jüngster Zeit offenbar zur Absicherung gegen den schwachen US-Dollar genutzt wurde, dürfte allmählich wieder die langfristige Versicherung gegen Inflation und extreme Ereignisse an Bedeutung gewinnen", erkläre der Rohstoffanalyst. Er gehe davon aus, dass Gold bei zunehmender Risikoaversion der Marktteilnehmer im weiteren Jahresverlauf bei einem erneuten Anlauf auch die massive Widerstandszone bei 1.350 US-Dollar überwinden werde.

ETC-Anleger würden sich auch von Gold trennen: "Bei Gold-ETCs kam es aufgrund des starken US-Beschäftigungsberichts zu den höchsten Abflüssen seit September 2017", erkläre Hein. Die Beschleunigung der Lohnzuwächse schüre nun Spekulationen, die US-Notenbank könne die Zinsen aggressiver anheben als erwartet. "Das unrentierliche Gold ist im neuen Umfeld steigender Zinsen durchaus gefährdet." An der Börse Frankfurt hätten sich Anleger bei den Edelmetallen auf Xetra-Gold (ISIN DE000A0S9GB0/ WKN A0S9GB) konzentriert, gefolgt von db Physical Gold Euro Hedged (ISIN DE000A1EK0G3/ WKN A1EK0G), db Physical Silver Euro Hedged (ISIN DE000A1EK0J7/ WKN A1EK0J), db Physical Silver (ISIN DE000A1E0HS6/ WKN A1E0HS) und Source Physical Gold (ISIN DE000A1MECS1/ WKN A1MECS).

Die Preise der meisten Industriemetalle lägen weiter auf hohem Niveau: Zink habe sich nochmals verteuert und koste jetzt 3.530 US-Dollar die Tonne, Anfang 2016 sei es weniger als die Hälfte gewesen. Der Aluminiumpreis liege mit 2.170 US-Dollar immer noch so hoch wie zuletzt vor sechs Jahren. Der Kupferpreis habe sich nach dem deutlichen Anstieg seit Sommer zuletzt seitwärts bzw. nach unten bewegt, aktuell koste die Tonne 7.032 US-Dollar. Das sei aber immer so viel wie zuletzt im Sommer 2014. "US-Dollar und Weltwirtschaft unterstützen die Industriemetallpreise, selbst wenn China im Januar wegen der hohen Preise weniger importiert hat", kommentiere Lambrecht.

Peters sei skeptisch, was einen Preisanstieg angehe: "Die Chancen auf Kursgewinne sind bei Primärmetallen im Zyklus in der Regel dann am geringsten, wenn die Konjunktur sich im Zenit befindet und die Wahrscheinlichkeit sinkender Wachstumsraten am höchsten ist." Diese Phase sei wohl bald erreicht. "Die Konzentration auf der Produzentenseite mag einen schockartigen Angebotsdruck zwar verhindern, dennoch ist angesichts des inzwischen erreichten Preisniveaus mittelfristig eher mit sichtbaren Produktionsüberschüssen zu rechnen." (07.02.2018/fc/a/e)

Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:







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