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Rutschgefahr an der Börse? Wie der Ölpreis die Aktienmärkte beeinflusst


15.10.2019 - 13:40:00 Uhr
DWS

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Der Schock saß tief: Nach der Attacke auf die weltgrößte Ölverarbeitungsanlage in Saudi-Arabien machte sich Mitte September an den Märkten die Sorge breit, dass der Ölnachschub aus der Golfregion für längere Zeit stocken könnte, so die Experten von DWS.

Schlimmer noch: Würden sich die Spannungen zu einem handfesten Krieg ausweiten, könnten die Lieferungen aus dem Nahen Osten - einem der wichtigsten Fördergebiete weltweit - ganz versiegen. Kein Wunder, dass die Notierungen für das schwarze Gold in einer ersten Reaktion um zeitweise fast 20 Prozent nach oben geschossen seien. Es sei der heftigste Ölpreisanstieg seit dem Golfkrieg Anfang der 1990er Jahre gewesen.

Die Verunsicherung am Ölmarkt habe die Aktienmärkte nicht kalt gelassen und dort die Kurse vorübergehend unter Druck gesetzt. Die Befürchtungen der Anleger: Die deutlich anziehenden Ölpreise könnten die Konjunktur belasten und die Geschäftsaussichten in vielen Branchen eintrüben.

Dazu müsse man sich nur vor Augen führen, dass trotz des Vormarsches erneuerbarer Energien die Wirtschaft noch immer in hohem Ausmaß vom Energieträger Öl abhängig sei.

Ganz offensichtlich sei der Einfluss auf den Energie- und Transportsektor. Während Ölgesellschaften und ihre Zulieferer - zum Beispiel die Hersteller von Förderanlagen - von steigenden Ölpreisen profitieren würden, würden höhere Treibstoffkosten die Gewinne von Spediteuren oder Fluggesellschaften unter Druck setzen.


Den Verbrauchern wiederum fehle das Geld, das sie zusätzlich für Benzin und Heizöl bzw. Erdgas (das an den Heizölpreis gekoppelt sei) bezahlen müssten, an anderer Stelle.

Das wiederum bekämen die Hersteller zyklischer (also nicht lebensnotwendiger) Konsumgüter wie die Autoindustrie oder Bekleidungshersteller zu spüren, die dann ihrerseits ihre Geschäftsplanungen anpassen müssten. So würden sich die höheren Ölpreise nach und nacharbeiten durch die verschiedenen Branchen. Insgesamt sei allerdings davon auszugehen, dass die direkten Ölpreiseffekte seit den 1970er Jahren geringer geworden seien.

Nicht vergessen werden dürften aber die indirekten Auswirkungen auf Wirtschaft und Aktienmärkte. Weil das teurere Öl mit Zeitverzögerung auf die Inflation durchschlage, könnten sich die Notenbanken gezwungen sehen, ihre derzeit sehr lockere Geldpolitik zu straffen. Schon die Aussichten auf steigende Zinsen seien jedoch in der Regel Gift für die Aktienmärkte.

Soweit die Theorie. In der Realität zeige sich allerdings, dass es mit der eindeutigen Beziehung zwischen Ölpreis und Aktienkursen nicht allzu weit her sei. So habe es in der Vergangenheit immer wieder Phasen gegeben, in denen beide Märkte in die gleiche Richtung gelaufen seien. Zum Beispiel im Jahr 2010, als sich Öl um rund 20 Prozent verteuert habe und die Aktienkurse global dennoch um knapp 10 Prozent zugelegt hätten. Der Ölpreis sei eben nur ein Faktor von vielen, der die Börsenkurse beeinflusse. Die Vergangenheit zeige: Wenn ansonsten die Rahmenbedingungen stimmen würden, würden steigende Notierungen des schwarzen Goldes die Anleger nicht aus der Ruhe bringen.

Für den umgekehrten Fall - sowohl Öl als auch Aktien würden schwach tendieren - habe der Herbst 2018 ein eindrucksvolles Beispiel geliefert. Damals hätten die Börsianer die Entwicklung des Ölpreises als Indikator für eine sich merklich abschwächende Konjunktur und in der Folge eine negative Gewinnentwicklung bei den Unternehmen interpretiert. Selbst der erwartete Konjunkturimpuls, der aus niedrigen Ölpreisen resultiere, habe damals keinen Stimmungsumschwung an der Börse hervorrufen können.

Ein allgemeingültiger Zusammenhang zwischen Ölpreisen und Aktienkursen scheine nicht zu existieren. Entscheidend neben dem absoluten Niveau sei immer auch, wie rasch sich die Preise am Ölmarkt verändern würden. Dabei gelte: Je langsamer, desto besser. Denn so hätten Unternehmen und Verbraucher ausreichend Zeit, um sich an die veränderten Rahmenbedingungen anzupassen. Anleger sollten jedenfalls nicht davon ausgehen, dass ein höherer Ölpreis per se schlecht für die Aktienmärkte sei, und sich nicht von Panikstimmungen am Ölmarkt anstecken lassen. (Ausgabe vom 11.10.2019) (15.10.2019/ac/a/m)






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