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Rohstoff-ETCs: Corona treibt Anleger in Gold


27.03.2020 - 15:19:49 Uhr
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Nach dem Absturz bis auf fast 1.450 US-Dollar vor zwei Wochen geht es mit dem Goldpreis seit einigen Tagen erneut steil nach oben, so die Deutsche Börse AG.

Eine Feinunze des Edelmetalls koste mittlerweile wieder über 1.600 US-Dollar. Rohstoffexperten würden die vorangegangenen Verluste überwiegend auf das Konto von institutionellen Anlegern schreiben, die entweder dringend Liquidität benötigt oder ihre Gewinne realisiert hätten.

Privatanleger würden sich laut Oliver Kilian nach Verkäufen in der Abwärtsphase mittlerweile wieder verstärkt in Gold positionieren. Zu den meist gehandelten ETCs zähle der UniCredit-Händler unter anderem den iShares Physical Gold (ISIN IE00B4ND3602/ WKN A1KWPQ), WisdomTree Physical Swiss Gold (ISIN DE000A1DCTL3/ WKN A1DCTL) und INVESCO Physical Gold (ISIN IE00B579F325/ WKN A1AA5X). "Xetra-Gold (ISIN DE000A0S9GB0/ WKN A0S9GB) wird sehr viel in beide Richtungen gehandelt."

Xetra-Gold führe Christian Dürr von der Commerzbank in den vergangenen Handelstagen überwiegend auf der Kaufseite. Das gelte auch für den Xtrackers Physical Gold Euro Hedged (ISIN DE000A1EK0G3/ WKN A1EK0G).

Die weltweiten Krisenmaßnahmen von Regierungen und Notenbanken zur Bekämpfung der Corona-Auswirkungen würden nach Ansicht von Eugen Weinberg für teurer werdendes Gold sprechen. Mit den sperrangelweit geöffneten Geldschleusen der Federal Reserve und Europäischen Zentralbank sowie den gigantischen Hilfspaketen nicht nur in den USA und Deutschland werde sich dem Rohstoffanalysten der Commerzbank zufolge eine noch nie dagewesene Flut an ungedecktem Papiergeld über die Märkte ergießen. Davon werde Gold voraussichtlich profitieren, denn es lasse sich nicht auf Knopfdruck vermehren.

Nach Lösung der Liquiditätsprobleme erwarte auch Nitesh Shah von Wisdom Tree eine sehr starke Gold-Performance und eine Rückkehr zur traditionellen Rolle als sicherer Vermögenswert.


Aktuell kämen Goldhändler in Deutschland mit den Bestellungen an ihre Grenzen. Raffinerien in der Schweiz, die etwa 70 Prozent des weltweit geförderten Goldes weiterarbeiteten, hätten Corona-bedingt geschlossen. Die US Mint melde laut Xetra-Gold für den laufenden Monat verkaufte Gold-Eagle-Münzen mit einem Gesamtgewicht von 48.000 Feinunzen nach nur 3.500 Feinunzen im Februar.

Dem gegenüber stehe die Goldnachfrage in Indien unter anderem aufgrund einer landesweit geltenden dreiwöchigen Ausgangssperre vor einem massiven Rückgang, wie Weinberg anmerke. Die indische Goldschmuckindustrie rechne mit einem Nachfragerückgang um 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das werde am Goldpreis nicht spurlos vorübergehen.

Silberwerte würden bei den UniCredit-Kunden in den vergangenen Wochen eine eher untergeordnete Rolle spielen, wie Kilian feststelle. In der ETC-Umsatzstatistik der Börse Frankfurt würden Produkte wie der db Physical Silver ETC (ISIN DE000A1E0HS6/ WKN A1E0HS) und Physical Silver Euro Hedged (ISIN DE000A1EK0J7/ WKN A1EK0J) hingegen vordere Ränge belegen.

Silber habe auf Monatssicht von gut 18 auf 14,60 US-Dollar je Feinunze nachgegeben. Neben den Liquiditätsproblemen würden dem weißen Edelmetall nach Meinung von Shah zyklische Eigenschaften zusetzen. Vor dem Hintergrund einer sich abzeichnenden Konjunkturflaute habe das Gold-Silber-Verhältnis mit etwa 120 ein bisher nicht gekanntes Niveau erreicht. Shah prognostiziere, dass Silber zunächst mit Gold schritthalten könne.

"Da der Silberpreis auch von der Entwicklung des Produktionssektors beeinflusst wird, werden seine Gewinne begrenzt sein." Mittelfristig erwarte der Rohstoffexperte ein im historischen Vergleich immer noch sehr hohes Gold-Silber-Verhältnis von 80. Beende Gold beispielsweise das Jahr mit einem Preis von 2.000 US Dollar, käme Silber in diesem Verhältnis auf 25 US-Dollar.

Auf den starken Ölpreis-Verfall hätten Anleger Dürr zufolge je nach Marktlage mit Zu- und Abflüssen etwa eines ETFS WTI Crude Oil-Produkts (ISIN GB00B15KXV33/ WKN A0KRKU) reagiert. Trotz einer leichten Erholung des Nordseeöls Brent auf über 29 US-Dollar pro Barrel halte die Commerzbank mit Verweis auf den anhaltenden Preiskrieg und der vermutlich sinkenden Nachfrage eine Euphorie am Markt für fehl am Platz. Mittlerweile hätten mit Indien und Südafrika zwei weitere Länder Ausgangssperren verhängt. Mit Importen von über fünf Millionen Barrel täglich zähle Indien immerhin zu den weltgrößten Öl-Abnehmern. Eine längerfristige Preisstabilisierung funktioniere Weinberg zufolge nur über einen Kapazitätsabbau. (Ausgabe vom 26.03.2020) (27.03.2020/fc/a/e)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:







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