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Goldpreis: Fenster für weitere Anstiege bleibt offen


29.06.2020 - 14:05:00 Uhr
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.aktiencheck.de) - Die Goldpreisentwicklung folgt bisher weiterhin sehr ähnlich dem Muster nach der Lehman-Krise (2008), so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Während des schärfsten Abverkaufs an den Finanzmärkten (2. und 3. Märzwoche 2020) hätten in der allgemeinen Panik und dem Hunger nach "Liquidität um jeden Preis" selbst vermeintlich "sichere Assets" wie Edelmetalle herbe Kursverluste hinnehmen müssen: Der Goldpreis habe zwischenzeitig im Tief rund 14% notiert, das üblicherweise in beide Richtungen deutlich volatilere Silber sogar fast 40% unter seinen nur wenige Wochen zuvor erreichten Niveaus (mit Gold im Tief bei rund USD 1460, Silber unter 12 USD!).

Das sei wie in der Aussendung der Analysten vom 20. März beschrieben dann allerdings eine ausgezeichnete Kaufgelegenheit gewesen, sowohl kurz- als auch langfristig. Denn seither hätten alle großen Notenbanken (und am wichtigsten die USA) den Markt mit Liquidität geflutet. In einem Ausmaß, das selbst die Reaktion auf die Lehman-Krise in den Schatten stelle.

Dementsprechend rasch hätten sich (auch) Edelmetallpreise erholen können: Gold habe inzwischen mit rund USD 1750 bereits wieder neue Jahreshochs erreicht. Auch damit sei vom Verlauf her eine ähnliche Entwicklung wie 2008 zu beobachten.

Wie viel Spielraum habe der Goldpreis hier noch für weitere Anstiege? Inzwischen würden sich ja auch Aktienmärkte und andere konjunktursensitive Märkte erholen. Nachdem die Maßnahmen gegen die Epidemie wie erwartet (und wie zuvor in Ostasien zu beobachten) Wirkung zeigen würden, sei der Shutdown in USA und Europa inzwischen weitgehend beendet und von weniger wirtschafsschädlichen Maßnahmen abgelöst worden. Entsprechend sei inzwischen bei allen großen Volkswirtschaften eine deutliche Konjunkturverbesserung zu beobachten. Auch wenn die Aktienmarktentwicklung kurzfristig zwar bereist sehr viel dieser Wirtschaftsverbesserung vorweggenommen habe, was den Aktienmarkt kurzfristig korrekturanfällig mache, würden die Analysten auf 6 und 12 Monatssicht optimistisch für die weitere Entwicklung von Konjunktur und Aktienmärkten bleiben.


Historisch habe eine solche Entwicklung oft auch zu einem starken Anstieg der Leitzinserwartungen und der langfristigen Anleiherenditen geführt. Gerade letztere seien aber einer der wichtigsten Faktoren für die Goldpreisentwicklung: Fallende Zinserwartungen und damit auch fallende Anleiherenditen seien maßgeblich für den starken Goldpreisanstieg seit Anfang 2019 verantwortlich gewesen und wären bei Goldpreisniveaus um die USD 1900 ausreichend eingepreist. Sollte sich diese Entwicklung umkehren und (insbesondere US-)Anleiherenditen wieder stark steigen, wäre ein heftiger Goldpreisrückgang wahrscheinlich unvermeidbar. Sei also die beste Phase für den Goldpreis bereits wieder vorbei?

Die Analysten würden nein denken. Denn in dem Szenario der Analysten bleibe die Geldpolitik der Notenbanken (weltweit und in den USA) trotz schrittweiser Konjunkturverbesserung weiterhin beispiellos expansiv. Diese Liquiditätsflut stütze nicht nur Finanzmärkte (wie den Aktienmarkt) sondern auch physische Assetpreise, und hier insbesondere Edelmetalle. In einem solchen Umfeld sei es nicht ungewöhnlich, dass sowohl Aktienmärkte als auch Edelmetallpreise längere Zeit gemeinsam nach oben tendieren würden. Und das ganz ohne, dass die Inflationsrate dazu stark steigen müsse. Auch hier biete die Phase nach Lehman ein gutes Anschauungsbeispiel: Ab März 2009 sei ein neuer Aktien-Bullenmarkt und eine solide Konjunkturerholung gestartet - trotzdem habe sich in den folgenden drei Jahren der Goldpreis verdoppelt!

Soviel wollten die Analysten dieses Mal nicht in Aussicht stellen, immerhin befinde sich der Goldpreis bereits nahe seiner historischen Höchststände, und Spielraum für weitere nachhaltige Anleiherenditerückgänge würden die Analysten keine mehr sehen. Die Analysten seien aber der Überzeugung, dass das Notenbank-Umfeld vorerst für weitere Goldpreisanstiege weiterhin sehr förderlich bleibe - selbst ohne zusätzliche Lockerungsschritte.

Gefährlich werde es für den Goldpreis aus Sicht der Analysten, sobald die großen Volkswirtschaften (auch hier wieder v.a. die USA) zu solidem Wirtschaftswachstum zurückgefunden hätten (was dieses Mal schon deutlich früher als nach Lehman der Fall sein sollte. Und vor allem sobald die Lage als so stabil angesehen werde, dass insbesondere die US-Notenbank wieder beginne ihre Liquiditätsflut einzudämmen (bzw. der Markt ernsthaft beginne das einzupreisen).

Dann seien auch Goldpreisrückgänge von rund 50% (und zwar nachhaltig über viele Jahre, wie zuletzt in der Phase 2011-2015) durchaus realistisch. Insofern bleibe Gold ein extrem volatiles Asset (volatiler als ein breit diversifizierter Aktienmarkt wie der MSCI World) und kein Liquiditätsersatz.

Bis dahin dürfte aber zumindest in diesem Jahr noch das Notenbank-Umfeld weitere Goldpreisanstiege begünstigen. Entsprechend optimistisch würden die Goldpreisprognosen der Analysten bleiben, die in diesem Jahr noch einen Test der alten Allzeithochs (rund USD 1900) erwarten lassen würden. Bleibe die Notenbankpolitik dann noch länger so expansiv, bestehe sogar eine gute Chance auf neue Allzeithochs. Die Neigung des Goldpreises, in solchen Phasen extremer Geldpolitik nach oben zu überschießen, sollte man nicht unterschätzen. (29.06.2020/ac/a/m)





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