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Ölmärkte: OPEC+ ändert Kurs


08.04.2021 - 19:00:00 Uhr
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.aktiencheck.de) - Nach monatelangem Vor und Zurück ist es soweit: Die Allianz erdölexportierenden Länder und Verbündete (OPEC+) beschlossen vergangene Woche eine Ausweitung der Fördermenge, so Carolin Kaddatz, Junior Researcherin, Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt, im aktuellen Wochenbarometer der Hamburg Commercial Bank.

Die Produktion solle über den Zeitraum der nächsten drei Monate - Mai bis Juli - schrittweise hochgefahren werden.

Der Beschluss sei in gewisser Weise überraschend gekommen. Angesichts der anhaltenden Unsicherheit rund um die Corona-Pandemie sei mit einer Verlängerung der Förderkürzungen zumindest in den Mai hinein gerechnet worden.

Was sei konkret beschlossen worden?

Die Ausweitung der Fördermenge solle in Etappen erfolgen. Das Produktionsniveau solle im Mai zunächst um 350.000 Barrel/Tag ausgeweitet werden, weitere 350.000 Barrel sollen im Juni folgen. Im Juli sei eine Steigerung um bis zu 440.000 Barrel/Tag geplant. Gleichzeitig werde Saudi-Arabien seine bisherigen freiwilligen Förderkürzungen im Umfangvon 1 Million Barrel/Tag bis Juli schrittweise zurücknehmen. Unter dem Strich sei bis einschließlich Juli somit mit einer Erhöhung des globalen Angebots an Öl um rund 2 Millionen Barrel/Tag durch die OPEC+ zu rechnen. Die Entscheidung stelle einen Kurswechsel der OPEC+ dar. Der Ölmarkt sei im Zuge der Pandemie, des resultierenden Konjunktureinbruchs, völlig aus dem Gleichgewicht geraten. Die OPEC+ habe sich, um dem massiven Ungleichgewicht auf dem Ölmarkt entgegenzuwirken, daher einer restriktiven Förderpolitik verpflichtet. Der Verbund habe zeitweise bis zu 9,7 Millionen Barrel Öl/Tag zurückgehalten. Dies entspreche rund 10% des globalen Angebots an Öl. Nach ersten Lockerungen habe sich Saudi-Arabien im Februar 2021 zu einer zusätzlichen, einseitigen Förderkürzung in Höhe von einer Million Barrel/Tag entschieden. Die OPEC+ habe das Angebot somit zuletzt um täglich rund 8 Millionen Barrel verknappt.

Warum jetzt?

Zwar habe die OPEC+ Hoffnungen geäußert, die Förderkürzungen allmählich zurückzunehmen zu können, angesichts der besorgniserregenden pandemischen Entwicklung insbesondere in Europa hätten zuletzt jedoch die Bedenken überwogen. Folglich sei im März an den bestehenden Quoten weitestgehend festgehalten worden. Ausnahmen habe es lediglich für Russland und Kasachstan gegeben, welche die Produktion um 130 bzw. 20 Tausend Barrel pro Tag hätten erhöhen dürfen.


Seither hätten sich die Rahmenbedingungen kaum verändert. Zwar erhole sich die Nachfrage zusehends. In den USA, dem größten Ölverbraucher, und China sei ein positiver Trend erkennbar. In Europa hingegen bleibe die Nachfrage weiter gedämpft. Insgesamt liege die Ölnachfrage noch immer rund 5 bis 6 Millionen Barrel/Tag unter dem Niveau von 2019, vor Corona. Am stärksten beeinträchtigt bleibe der Luftverkehr. Eine Erholung der Nachfrage werde verstärkt erst für das zweite Halbjahr 2021 erwartet. Warum habe sich die Allianz dennoch für eine allmähliche Lockerung der Quoten entschieden?

Saudi-Arabien vs. Russland

Eine mögliche Antwort finde sich in internationalen Interessenkonflikten. Hinter den Kulissen zeichne sich ein Machtkampf zwischen Saudi-Arabien und Russland, dem wichtigsten Land der erweiterten OPEC, ab. Saudi-Arabien habe im Vorfeld der OPEC+-Sitzung für die Beibehaltung der restriktiven Förderpolitik plädiert. Demgegenüber stehe Russland, das sich für eine Ausweitung der Fördermenge ausgesprochen habe. Der Kernpunkt: Die beiden Länder seien fiskalisch in unterschiedlichem Ausmaß von Ölmarkt abhängig. In Saudi-Arabien mache Öl einen Großteil der Staatseinnahmen aus. Sinke der Ölpreis, würden die Einnahmen sinken und das Ausgabenniveau könne nur durch eine höhere Verschuldung beibehalten werden. Aufgrund des festen Wechselkurses des Riyal zum US-Dollar schlage der niedrigere Ölpreis voll auf die Einnahmen durch. In Russland werde dieser Effekt tendenziell abgefedert, da der Rubel flexibel sei und üblicherweise bei einem sinkenden Ölpreis abwerte. Das Interesse, den Ölmarkt durch Förderkürzungen ins Gleichgewicht zu bringen, sei für Saudi-Arabien entsprechend dringlicher als für seinen Gegenspieler Russland.

Letztlich habe sich die OPEC+ hinter der Idee einer vorsichtigen, schrittweisen Rücknahme der Förderkürzungen vereint. Eine ausschlaggebende Rolle möge hier auch der Aufruf der US-Administration gespielt haben. Diese habe Saudi-Arabien dazu aufgefordert, die Preise für Verbraucher im Blick zu behalten. Energie müsse erschwinglich bleiben.

Wie würden die Ölpreise reagieren?

Seit Jahresbeginn seien die Ölpreise um rund 20% gestiegen, was die Wirksamkeit der bisherigen OPEC+-Politik unterstreiche. Allerdings würden sich die Ölpreise seit Anfang März im Abwärtstrend befinden. Die Rohölsorte Brent notiere derzeitig bei 62 US-Dollar/Barrel. Zum Vergleich: Im März sei kurzzeitig die Schwelle von 70 US-Dollar/Barrel erreicht worden.

Werde sich der Preisrückgang nun fortsetzen? Das Narrativ der steigenden Nachfrage sei von den Märkten zunächst offenbar angenommen worden. Im Anschluss an die OPEC+-Sitzung seien zunächst die Ölpreise gestiegen. Dies schien auf den ersten Blick nicht intuitiv. Denn eine Erhöhung der Fördermenge ziehe eine Ausweitung des Angebots nach sich und resultiere (bei gleichbleibender Nachfrage) für gewöhnlich in einem Preisverfall. In den letzten Tagen habe sich ebendies beobachten lassen: WTI und Brent hätten zum Wochenstart jeweils rund 2,5 Dollar niedriger als vor dem jüngsten OPEC+-Beschluss notiert. Aktuell sei allerdings wieder ein leichter Preisanstieg zu beobachten. Die Volatilität der vorherigen Wochen scheine sich vorerst fortzusetzen.

Fazit

Die Kurswende der OPEC+ sei früher als erwartet gekommen, aber sei sie zu früh gekommen? Für eine abschließende Bewertung sei die Zeit nicht reif. Zumal die Erhöhung der Fördermenge zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht vollzogen worden sei. Die erste Etappe stehe im Mai bevor.Die OPEC+ vertraue offenbar auf eine positive Nachfrageentwicklung. Ob die Nachfrage tatsächlich an Fahrt gewinne oder die Abwärtsrisiken zunehmen würden, bleibe abzuwarten. Eines sollte indes nicht vergessen werden. Die OPEC+ werde trotz Erhöhung der Förderquoten auch in den kommenden Monaten einen beträchtlichen Teil des weltweiten Ölangebots zurückhalten. Von einer Normalisierung des Produktionsniveaus sei man weit entfernt. Die Entscheidung sei ferner nicht in Stein gemeißelt, die OPEC+ bleibe flexibel. Die Energieminister der Länder würden weiterhin regelmäßig zusammenkommen, um die aktuellen Marktbedingungen zu bewerten und über Anpassungen des Produktionsniveaus für den Folgemonat zu entscheiden. Die nächste Sitzung sei für Ende April, also noch vor dem ersten Lockerungsschritt, geplant. Ob die Nachfrage mit der Ausweitung des Angebots Schritt halten könne, werde sich zeigen. (08.04.2021/ac/a/m)






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